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Die Kolibris | Freie Schule Wetterau e.V.

Beschwerdebrief von Beate Kordalewski

Beate Kordalewski

63683 Ortenberg


Frau Dorothea Henzler                           
Hess. Kultusministerium                           
Luisenplatz 10                               
65185 Wiesbaden

                                    Bleichenbach, 23.2.11



Bertreff:     Bitte um Unterstützung gegen die Schließung der Freien Schule Wetterau

                                   

Sehr geehrte Fr. Henzler,


am 16.Februar 2011 erhielten Sie bereits einen offenen Brief meiner Kollegin Stephanie Richter. Nun wende ich mich an Sie. Die Aussagen Frau Richters kann ich nur bestätigen und möchte in meinem Brief nichts wiederholen.
Mir ist ähnlich wie meiner Kollegin das Vorgehen des Schulamtes unbegreiflich. Wie kann das Schulamt bei der Schließung unserer Schule „zum Wohle der Kinder“ handeln? „Zum Wohle der Kinder“ wäre es, wenn ihnen zumindest die verbliebenen Monate des Schuljahres Zeit gelassen worden wäre, um sich auf die Situation einzustellen und um die Möglichkeit zu haben, sich gemeinsam mit den Eltern nach Alternativen umzuschauen.
Und wer hat sich ein Bild von unserer Schule vor Ort und im Schulalltag gemacht? Tatsache ist, dass die Schulrätin des für uns zuständigen Schulamtes einige Male an unserer Schule war. Allerdings war sie entweder wegen Unterrichtsbesuchen bei einer Kollegin oder bei mir oder, um „in die Akten zu schauen“, da. Unseren Schulalltag hatte sie nicht gesehen. Bei den Unterrichtsbesuchen wurde lediglich die Uhrzeit „kooperativ“ festgelegt, unser Konzept aber außer Acht gelassen. Aufgrund der Art und Weise des Auftretens der Schulrätin und zum Teil auch ihrer Begleitung bei den Unterrichtsbesuchen erfolgte bereits eine Beschwerde von meiner Seite (siehe Anhang!). Es kann doch nicht sein, dass das Schulamt einer einzelnen Person solch schwerwiegende und wichtige Entscheidungen überlässt wie die Schließung einer Schule. Ein kooperatives Miteinander wäre wünschenswert. Als Privatschule mit besonderer pädagogischer Prägung arbeiten wir anders als an staatlichen Schulen üblich, außerdem haben wir als Privatschule zum Teil andere Rechte (siehe Privatschulgesetz).
Gerne würde ich wissen, wann überprüft wurde, ob wir uns an unser Konzept halten. Seitens des Schulamts wird behauptet, wir Lernbegleiter würden nicht entsprechend den schriftlich vorliegenden Belegen bezahlt. Uns hat auch hierzu keiner befragt. Ich erhielt (im Übrigen wie meine Kolleginnen und Kollegen auch) mein Gehalt entsprechend der Verträge. Schwierig war es allerdings für meinen Arbeitgeber, als das Staatliche Schulamt die Gelder gestoppt hatte (hierzu können Sie auf unserer Internetseite www.freieschulewetterau.de auch den Brief meines Kollegen vergleichen).
Des Weiteren frage ich mich, wie bei Kindern, die aus staatlichen Schulen an unsere Schule wechselten, der vorher festgestellte Förderbedarf plötzlich verschwinden kann.
Wünschenswert ist von meiner Seite, Unterstützung zu erhalten und, wie oben bereits erwähnt, ein kooperatives Miteinander. Bitte unterstützen Sie uns in unserer Angelegenheit und versuchen Sie, das Schulamt zu einer konstruktiven Vorgehensweise zu bewegen. Eine Schule wie unsere, die sich an modernen neurobiologischen Erkenntnissen orientiert und die eine bewährte Pädagogik umsetzt, wie viele andere Schulen bundesweit und auf der ganzen Welt, kann nicht der Willkür einer einzelnen Person im Staatlichen Schulamt ausgesetzt sein. Es müssen zu solchen Verfahren Richtlinien und Kriterienkataloge entwickelt werden, wenn dies noch nicht der Fall ist.
In anderen Bundesländern stellen staatliche Schulen auf offenere Arbeitsformen und gemischte Jahrgangsgruppen um, z.B. in Baden-Württemberg. Schulen mit ähnlichen Konzepten wie unsere Freie Schule Wetterau werden als „beste Schule Deutschlands“ ausgezeichnet.
Die Aussage des Schulamts, unsere Kinder seien in ihrem Lernstand denen an Regelschulen weit zurück, ist für mich ein Witz. Keines unserer Kinder wurde in irgendeiner Weise überprüft. Wie stellte das Schulamt das fest? Den Brief meines Kollegen, der wie viele andere von unserer regionalen Presse nicht veröffentlicht wurde, können Sie auch zu diesem Punkt hinzuziehen. Darüber hinaus haben unsere Schülerinnen und Schüler, aufgrund unserer augenblicklichen Situation, an anderen Schulen hospitiert und, sowohl was ihr Sozial- als auch ihr Arbeitsverhalten und ihren Leistungsstand betrifft, eine positive Rückmeldung bekommen. Meiner Meinung nach ist das ganze Prozedere mit uns und unserer Schule eine reine Farce und eine äußerst fragwürdige Angelegenheit! Das kann doch alles nicht wahr sein! Ich bin nach wie vor völlig fassungslos wie so etwas in Deutschland möglich ist, zu einer Zeit, in der alle über Bildung, neue Erkenntnisse und Studien nachdenken. Menschen wie wir, die versuchen, dies in der Bildung umzusetzen, werden schikaniert, ausgegrenzt und ausgemerzt.
Anfügen möchte ich zum Schluss noch, dass ich im Laufe der Jahre an der Freien Schule Wetterau verschiedene Schulen besuchte und aufgrund meiner augenblicklichen beruflichen Situation zur Zeit an einigen hospitiere. An diesen Schulen, mit ähnlichem Konzept wie unserem, arbeiten die Pädagogen entsprechend unserer Arbeitsweise. Es wäre sicherlich empfehlenswert, Personen des Staatlichen Schulamtes, die für Alternativschulen zuständig sein sollen, mit der Pädagogik von Alternativschulen zunächst vertraut werden zu lassen. Sicherlich würde das den Schulämtern und vielen neuen aber auch bereits bewährten Schulen eine Zusammenarbeit in Zukunft erleichtern.
Anbei übersende ich Ihnen auch meinen Beschwerdebrief an das Staatliche Schulamt zur Schließung unserer Schule.



Mit freundlichen Grüßen


Beate Kordalewski
 

Es kommt nicht nur der Kopf in die Schule, sondern das ganze Kind.